| RESTAURIERUNG |
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| Gegenüber
den meisten Oldtimer-Liebhabern hatte ich den großen Vorteil, dass
ich mich nicht erst auf die Suche nach einem Restaurationsobjekt begeben
musste. Ich hatte mein Motorrad und der Zustand war mir aus eigener jahrzehntelanger
Erfahrung bestens bekannt. Das Fahrzeug befand sich in einem, seinem Alter
entsprechenden, gepflegtem Zustand. Jedoch hatte die Nutzungsdauer von
über 40 Jahren und die in dieser Zeit gefahrenen fast 65000 Kilometer
Spuren hinterlassen. Ein befreundeter KFZ-Sachverständiger bewertete
den Zustand der Maschine, gemäß Classic-Data, mit der Note
3 - . |
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Zustand im Jahre 2003 |
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Zunächst
hatte ich mir vorgenommen nur den leicht verbogenen Lenker zu tauschen,
die stark eingelaufenen Steuerkopflager zu wechseln und die angerosteten
Zigarrenauspuffe und Krümmer gegen neue Fischschwanzauspuffe zu ersetzen.
Aber als der "Oldtimervirus" von mir erst einmal Besitz ergriffen
hatte, entschied ich mich doch das gesamte Motorrad, zunächst mit
Ausnahme des Motors - der erschien mir zu diesem Zeitpunkt noch als "Buch
mit sieben Siegeln" - zu zerlegen. |
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| Fahrerhandbuch und Originalteileverzeichnis waren vorhanden. Nachdem ich mir, dem Internet sei Dank, das Montagehandbuch und die ersten benötigten Teile besorgt hatte, begann ich im Spätherbst 2003 mit der Demontage. |
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Alle Teile wurde gereinigt und die Blechteile einschließlich des
Rahmen von der alten Farbe befreit, grundiert, gefüllert und geschliffen.
Der hintere Kotflügel hatte durch die Vibrationen zwei Risse, die
zuvor noch geschweißt werden mussten. Im Fachhandel ließ ich
mir anhand der mitgebrachten Rücklichtkappe die exakte Lackfarbe
für die Lackierung mischen, denn niemand kann eine genaue Farbnummer
für das "JAWA-Rot" angeben, da sich dieses im Laufe der
jahrzehntelangen Produktion mehrfach geändert hat. |
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Nachdem
alle entsprechenden Teile die rote Lackierung erhalten hatten, beschäftigte
ich mich mit der Linierung, die vorher an den Originalteilen mit Ausnahme
der Bereiche unter der Sitzbank nicht mehr zu erkennen war. Anhand von
Prospektfotos musste ich feststellen, dass es hierbei in der Linienführung
erhebliche Unterschiede zwischen den Maschinen gab. Auf der Grundlage
eigener alter Fotos konnte ich jedoch die Linierung so rekonstruieren,
wie sie im Lieferzustand vorhanden war. Da ich keine Aufkleber verwenden,
sondern die Linien ebenfalls mit einem Pinsel ziehen wollte, nutzte ich
einen Tipp aus den Buch "Motorradrestaurierung" von Jürgen
Nöll, der in diesem Buch viele sehr praktische Hinweise gibt, und
klebte die Bereiche vorher mit sehr schmalen Klebestreifen ab. Damit sind
auch enge Radien möglich. Nach dem Ausziehen der einzelnen Striche
mit Goldlack, wird sofort das Klebeband entfernt, um ein Ausbrechen der
Linienkanten zu vermeiden. Nach der Linierung wurden alle Teile mit Klarlack
überlackiert und damit die Linien und der Lack gegen Abrieb geschützt. |
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| Die
wegen des Rostansatzes überstichenen Felgen wurde durch neue, verchromte
Stahlfelgen ersetzt, die erheblich billiger sind als das Verchromen der
Altteile. Die Bremstrommeln wurden leicht ausgedreht und mit neue Bremsbacken
und Radlagern bestückt. Das Einspeichen der Räder kann man problemlos
selbst erledigen. Die Speichen sollten dabei nicht festgezogen werden.
Das Zentrieren und Spannen ist in jedem Fall eine Aufgabe für die
Fachwerkstatt, denn es erfordert sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
Durch die Vorbereitung der Räder ist diese Tätigkeit wesentlich
preiswerter, als wenn man die Teile einzeln anliefert. Die Montage der
Schlauchreifen habe ich durch den Reifendienst ausführen lassen.
Das Aufziehen erfolgt schonender für die Reifen als mit den Montiereisen
und es besteht nicht die Gefahr versehentlich den Schlauch zu beschädigen
oder die neue Felge zu zerkratzen. Obwohl bei der JAWA 353/03 u. 354/03
Vorder- und Hinterrad getauscht werden können ist bei den Reifen
auf eine eventuell vorgegebene Laufrichtung zu achten (z. B. PNEUMANT
bzw. HEIDENAU mit Profil K36 !!!). |
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Beim
Zusammenbau der Maschine habe ich zunächst den Steuerkopf, mit neuen
Lagerschalen und Kugeln, die überholte Telegabel und einen neuen
Lenker montiert. Bei der Montage der Griffe und Hebel bot es sich an,
neue Verkabelung und Bowdenzüge in den Lenker einzuziehen. Nach dem
Anbau der Hinterradschwinge und des Ständers am Rahmen, folgten Vorderkotflügel
und Vorderrad. Durch diese Reihenfolge war es möglich, das "Teilmotorrad"
zu rangieren, da es in meiner Werkstatt nicht dauerhaft an der gleichen
Stelle stehen konnte. Anschließend wurde das Fahrzeugheck komplettiert.
Die überholten Stoßdämpfer, inneres und äußeres
Schutzblech mit neuen Leitungen für Schluss- und Bremslicht, sowie
der Sattelbankträger wurden mit dem Rahmen verschraubt. Im Hinterradantrieb
wurden das Kugellager (6205) und die Staubschutzringe ersetzt und das
Abdeckblech des Ketteschutzes neu silbergrau lackiert. Nach dem Einbau
des Hinterrades war im März 2004 "Hochzeit", denn der Motor
wurde in den vorbereiteten Rahmen eingehangen. Seine Überholung war
nach der Motorradsaison 2004 geplant. Zu jetzigen Zeitpunkt wurde nur
das stark verschlissene Kettenritzel und der Unterbrecher getauscht. Nun
konnten auch die restlichen Teile montiert werden. Etwas Kopfzerbrechen
bereiteten mir dabei die in der Türkei als Nachfertigung hergestellten
neuen Fischschwanzauspuffe. Die Fertigungstoleranz war so hoch, dass nur
durch Distanzscheiben und kleine Blechwinkel eine ordentliche Montage
möglich war. Obwohl die JAWA nun bereits fertig aussah, erfolgten
die vielen kleinen Einstellarbeiten an Vergaser, Zündung, Kupplung
etc. die noch einige Zeit in Anspruch nahmen. |
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Am Pfingstsamstag 2004 war es endlich soweit. Mit einer Tour von 120 km wurde die Maschine erfolgreich getestet. Die Restaurierung war damit zunächst beendet. Die folgenden Fotos zeigen das Ergebnis. |
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| ©2008
Roland Bauer |
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